Sonntag, 8. Januar 2012

Tipp (2) Kreativitätstechniken

Sie verhalten sich wider Ihre Natur! Jetzt gerade! Ja Sie!

Nein, Sie sind nicht (natürlich aus Versehen!) auf eine Schmuddel-Website geraten. Aber Ihr Gehirn kann in Natura mit dem, was Sie gerade anstarren, nichts anfangen. Außer es erfreut sich an lustigen schwarzen Kringeln auf weißem Grund. Abstrakte Kunst für Arme. Der Grund? Unsere Gene hinken uns hinterher. Ist das schlimm? Für einen Gärtner weniger. Und für einen Autor? Oh la la. Aber es ist doch heilbar? Bis zur nächsten Eiszeit - vielleicht. Keine Sorge, es gibt Tricks.

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Da kommen wir her:
Lassen Sie uns zusammen ein paar Schritte zurück in unsere Vergangenheit gehen. Es ist das Jahr 400.000 v. Chr.. Sie haben gerade das Feuer erfunden, und da Sie ein netter Nachbar sind, kommen Sie in meine Höhle, um mich zum Barbecue einzuladen. Sie haben das Bild des Feuers genau vor Augen, aber mehr als ein paar seltsame Geräusche und lustiges Gehopse bringen Sie nicht zustande. Sie sind sprachlos. Ich bin als begriffsstutzig bekannt und denke, mein Nachbar spinnt. Der hat sich vom Medizinmann wieder diese Pilze verschreiben lassen. Dieser Drogenfreak!
300.000 Jahre später klappt das mit dem Barbecue endlich, denn Dank der Pilze und ein paar genetischer Tricks kommen Sie auf die Idee, den Dingen Namen zu geben und diese auszusprechen. Immer auf die gleiche Weise, bis sogar das kleine Gehirn des begriffsstutzigen Nachbarn mit einem bestimmten Laut das Bild eines Feuers verbindet. Sie haben die Laut-Sprache erfunden.
Dass Sie dann 5.000 v. Chr. auf die Idee kommen, die Dinge auch noch abzubilden, ist ärgerlich. Künstler nennen Sie sich jetzt, und wir haben ständig Graffitis an den Höhlenwänden. Die Bilder sprechen für sich. Jeder weiß sofort, wen Sie meinen, wenn Sie einen Mann ohne Kopf an die Felswand malen. Sogar ich. Unter Nachbarn gehört sich das nicht!
Im Jahr 1.500 v. Chr. müssen Sie dann eine Überdosis Pilze genommen haben. Plötzlich sollen ein paar wilde Kringel das Gleiche bedeuten wie ein Bild. Schrift nennen Sie das, obwohl es aussieht, als wäre eine betrunkene Maus durch Ruß gelaufen. Mühsam muss man jedes Gekleckse in ein Bild übersetzen. Zugegeben, für Liebesbriefe ist das praktisch. Man muss keine Pornos mehr an die Wand malen.

Und da wollen wir wieder hin?
Nicht in die Höhle. Keine Sorge. Aber der Siegeszug von Kino und TV gegenüber der Schriftsprache hat natürlich damit zu tun, dass unser Gehirn evolutionsbiologisch nicht darauf ausgerichtet ist, abstraktes Gekritzel in Bilder zu übersetzen. Unser Gehirn denkt in Bildern, nicht in Textbausteinen. Aus einem Text einen Kopf-Film zu erzeugen, ist weitaus mühsamer und dauert länger, als wenn wir uns mit Bildern berieseln lassen, die das Gehirn 1:1 weiterverarbeiten kann.

Aber was hat das mit Kreativität zu tun?
Kreativität ist unsere Kernkompetenz, unser wichtigster Wettbewerbsfaktor im Überlebenskampf. Die Fähigkeit, Erfahrungen im Hinblick auf Herausforderungen zu assoziieren und neu zu kombinieren, und das mit Hilfe der Sprache auch noch vernetzt mit anderen Menschen. Es ist eine naturnahe Fähigkeit, die viel mit unserem angeborenen Spieltrieb zu tun hat, und die durch unser verschultes, konsekutives Abarbeiten von Faktenmassen eher gehemmt als gefördert wird. Sprunghaftigkeit mag für einen Bankbeamten hinderlich sein, für einen Kreativen ist das Hüpfen zwischen Ideen und Fakten eine Grundvoraussetzung seiner Arbeit. Nicht umsonst spricht man von Innovationssprüngen.
Es geht darum, die zentralen Aspekte einer Problemstellung auf einen Blick und in einem Bild zu erfassen. Formen und Farben als denknahe Elemente unterstützen uns dabei, Ideen zu sammeln, aufzufächern, neu anzuordnen und zu verbinden. Die Methoden, die man sich zu Nutze machen kann, um diese natürlichen Fähigkeiten freizusetzen und erlernte Hemmungen und Ängste zu vermeiden, sind zumeist von Psychologen entwickelt worden und werden auch therapeutisch eingesetzt. Sie werden branchen- und fachübergreifend sowohl in der Wissenschaft, als auch in Unternehmen verwendet, um die Produktivität der Mitarbeiter zu erhöhen. Ich kann mich nicht erinnern, als Manager jemals ein Projekt ohne die Nutzung von Kreativitätstechniken auf den Weg gebracht zu haben.

Für Autoren sind die Methoden in verschiedenen Phasen des Schreibens hilfreich. Sie reduzieren die Eintrittsschwelle in die Arbeit an einem Projekt und lösen die Schreibblockaden, indem sie die Herausforderung überschaubar machen und einen Einstieg in kleinen Schritten ermöglichen. Sie helfen uns beim Brainstorming zu Beginn eines Schreibprojektes, aber auch bei der Projektplanung und der thematischen und dramaturgischen Strukturierung der Story. Autoren laufen immer Gefahr, sich in Sub-Plots und Informationsbergen zu verlaufen und in Nebenfiguren zu verlieben. Die bildliche Strukturierung hilft ungemein, schnell wieder ein Gefühl für das große Ganze zu gewinnen. Und das ist die Perspektive, die später der Lektor und mit viel Glück auch der Leser einnehmen wird.

Ich möchte vier Methoden für unterschiedliche Detailtiefen und Arbeitsphasen vorstellen, die sich auch sehr gut hintereinanderschalten lassen.
Metaplan und Clustering für das Brainstorming
Mind Map für die Weiterentwicklung & Detaillierung der Ideen
und die Vier-Spalten-Methode, die beim schwierigen Einstieg in den Text hilft und Schreibblockaden lösen kann

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