Sonntag, 15. Januar 2012

Tipps & Tools für das Schreiben – Einführung

Eine Kurzgeschichte von 10 Seiten frei aus der Hand zu schreiben, ist problemlos möglich. Das Gleiche bei einem Roman zu versuchen, ist dumm. Ein Roman ist ein Projekt und nicht weniger komplex als die Arbeit eines Ingenieurs an einem Bauvorhaben oder das Beratungsprojekt eines Unternehmensberaters. Für Letztere ist die Nutzung von Tools selbstverständlich, um die Projektkomplexität handhabbar zu machen und um die Produktivität in den unterschiedlichen Phasen eines Projektes zu steigern. Für viele Autoren seltsamerweise nicht. Die Zuhilfenahme von Tools reduziert den Zeitaufwand, erleichtert Lerneffekte und gibt dem Autor die Möglichkeit, sich auf das zu konzentrieren, was seine Kernkompetenz ausmacht: die dramaturgische und sprachliche Umsetzung seiner Vorstellungskraft.
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Viele Autoren meiden Formalismen, weil sie scheinbar die Kreativität einschränken. Das Gegenteil ist der Fall. Unkenntnis macht unheimlich. Manchmal hilft es, sich einem Tätigkeitsfeld mit einer anderen Brille zu nähern. Ein Manager geht ein Buchprojekt anders an als ein Lehrer oder ein Literaturwissenschaftler. Er ist daran gewöhnt, für Ineffektivität und Ineffizienz sofort und nachhaltig bestraft zu werden. Nicht nach ein bis drei Jahren, wenn er seinen Agenten oder Verleger mit seinem Manuskript zum Weinen bringt, sondern bei jeder Projekt-Review beim Kunden. Jede Woche. Umgekehrt wird sich ein Philosoph einem unternehmerischen Problem mit anderen Denkmustern nähern, als ein Controller, und kann damit Innovationssprünge auslösen. Mit Kreativitätstechniken kann man seine eigene Fähigkeit zum Querdenken unterstützen und liebgewordene Gedankengebäude einreißen. Ich habe aus der Beschäftigung mit Drehbüchern und der Herausforderung des Denkens in Bildern mehr Nutzen für meine Präsentationen als Manager gezogen, als durch sämtliche einschlägigen Seminare, mit denen ich im Laufe der letzten zwanzig Jahre beglückt wurde.

An dieser Stelle soll nur ein grober Überblick gegeben werden. Die Tipps & Tools für die verschiedenen Phasen der Textentstehung und –vermarktung folgen in spezifischen Posts. Um meinen Output zu optimieren, nutze ich einige Tools, die sich bei der Entstehung eines kreativen Textes für mich als sinnvoll herausgestellt haben. In den frühen Phasen sind es idR unterschiedliche Tabellen und Register, um Informationen zu sammeln und für das spätere Abrufen zu strukturieren. Simpel, aber zeitsparend. Die Ideenentwicklung und –auswahl unterstütze ich für fast alle Fragestellungen mit Mind Map -Techniken. Die bildliche Darstellung der Zusammenhänge erleichtert auch das Nachvollziehen, wenn man nach einigen Monaten feststellt, dass eine Idee in eine Sackgasse führt und ein anderes Szenario verfolgt werden muss. Für die präferierte(n) Idee(n) erstelle ich ex ante (!) eine Marktanalyse, für die ich auf aktuelle Marktstudien zurückgreife. Das Thema und meine Herangehensweise müssen sich mit dem aktuellen Bedarf der Verlage meines Genres decken, sonst werden sie verworfen. Die Marktanalyse wird später in der Vermarktungsphase als Teil des Exposés für die Agenten und Verlage wiederverwertet. Der Aufwand lohnt sich deshalb. Dramaturgische Anforderungen versuche ich bereits bei der Grobstrukturierung der Story zu berücksichtigen, indem ich sie als Checkliste fest in die Struktur integriere. Die wichtigsten dramaturgischen Anforderungen in jeden Akt, jede Sequenz und jedes Kapitel vorab hineinzuschreiben, hilft auch bei der nachfolgenden Ausarbeitung des Manuskripts. Die Entwicklung der Figuren lässt sich optimieren, wenn man sich zwingt, für jede Person eine umfangreiche Checkliste mit Hard Facts, Charaktereigenschaften, Marotten und optischen Faktoren abzuarbeiten. Das Ganze in Frageform an sich selbst zu gestalten, kann psychologisch helfen, tiefer in die Figuren einzutauchen. Die Überarbeitung des Manuskripts unterstütze ich mit einem Tool zum Selbstlektorat, das ich aus der Zusammenarbeit mit Lektoren, aber auch mittels Fachlektüre (insb. McKee, Sol Stein) für mich entwickelt habe. Die eigenen Fehler freizulegen, ist nicht unbedingt angenehm, aber zielführender, als in der Vermarktungsphase den Agenten oder Verlagslektor schon nach den ersten Seiten in den Suizid zu treiben. Den gesamten Prozess der Buchentstehung und –vermarktung begleiten einfache Tools zur Projektplanung (Aufgaben, Zeitbedarf, Ressourcenplanung, Bottle Necks). An prominenter Stelle platziert helfen sie, sich selbst unter Druck zu setzen und den größten Gefahren für einen Schreiber auszubüchsen: sich zu verzetteln, im Internet zu surfen und Inspiration bei der hübschen Kellnerin im Café um die Ecke zu suchen.

Die im Blog vorgestellten Herangehensweisen und Hilfsmittel sind einfach ein Angebot, die positiven und negativen Erfahrungen eines anderen für sich zu nutzen – oder auch nicht.

Ein Hinweis zur Nutzung: Wenn es zu einem Tipp ein oder mehrere zugehörige Tools gibt, wird hierauf verlinkt. Die logische Reihenfolge der Tipps und Tools orientiert sich nicht an der Reihenfolge der Posts. Also an den Links unten auf der Seite orientieren oder sich einen Überblick anhand der Kategorien verschaffen. Die Tipps und Tools sind jeweils durchnummeriert.


Viel Spaß!

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