Sonntag, 8. Januar 2012

Tool (4.2) Metaplan-Verfahren (Fortsetzung) – Einsatz außerhalb der Schreiberei

Ich hatte unter 4.1 etwas versprochen. Einen Exkurs für gestresste Familien und Politiker in Krisengebieten.

Wir haben Metaplan vorhin zweckentfremdet. Für so etwas Banales wie das Schreiben. Als Unternehmensberater habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen. Eigentlich wird MP als partizipative Moderationstechnik für Workshops mit Gruppen eingesetzt. Das Ziel ist, in kurzer Zeit und unter Einbeziehung aller Teilnehmer in einer strukturierten Diskussion ein gemeinsames Ergebnis zu entwickeln, das ex post auch von allen mitgetragen wird. Schwierig? Und ob. Aber mit MP viel leichter. Typische Ergebnisse solcher Workshops sind (Projekt-)Beschlüsse, To do – Listen etc.. Management Krimskrams halt. Und was geht uns das an? Viel, denn auch eine Familie ist eine Gruppe, und der ein oder andere von Ihnen mag sich just in diesem Augenblick inmitten des häufigsten Kriegsgebietes dieses Planeten befinden.

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Die Vorteile der Methode gegenüber freien oder nur verbal moderierten Gruppenveranstaltungen (und dazu gehört auch der Familienrat) sind signifikant. Die Super Nanny kann sich nicht irren.
  • Das Verfahren ist idiotensicher. Jeder, der einen Stift halten kann, ist dabei. Der Fünfjährige, der noch nicht schreiben kann, malt Bilder oder diktiert dem Moderator.
  • Der Fortschritt der Diskussion ist jederzeit und für jeden transparent,
  • was dazu führt, dass man die Ideen der anderen Teilnehmer in sein eigenes Denken einbeziehen kann. Man denkt vernetzt. Und genau das sollten Familienmitglieder.
  • Es entsteht ein Gruppengefühl, weil alle durch ihre Karten auch physisch am gleichen Boot mitbauen.
  • Das Verfahren ist grundsätzlich hierarchiefrei. Jede Meinungsäußerung/jedes Kärtchens zählt gleich viel, unabhängig davon, wer es geschrieben hat. Um die Gleichberechtigung der in jeder Gruppe vorhandenen Egomanen und Schüchternen sicherzustellen, gibt sich die Gruppe vorher selbst einige einfache Regeln, die der Moderator auf einem separaten Flipchart jederzeit sichtbar notiert. Der Moderator ist bezüglich des diskutierten Themas immer neutral, er lenkt nur den Prozess und gibt methodische Hilfestellungen, wenn erforderlich.
  • Das wichtigste ist jedoch der psychologische Faktor: dadurch, dass alle Teilnehmer ihre Meinung schriftlich, gleichberechtigt und für jeden sichtbar in den Prozess einspielen, fühlen sie sich den gemeinsamen Beschlüssen verpflichtet. Da die Ergebnisse auf der Pinnwand am Ende mit Fotos dokumentiert werden und nicht durch einen möglicherweise ‚abhängigen’ Protokollführer, gibt es kein nachträgliches Herausreden á la ‚Da haben Sie mich aber vollkommen missverstanden’. Rhetoriker haben im wahrsten Sinne des Wortes schlechte Karten.
Für die Beilegung von Konflikten in Familien ist die Methode deshalb so gut geeignet, weil sich Kinder bei Familienbeschlüssen oft (und in der Pubertät immer) über den Tisch gezogen fühlen. Die Eltern spielen in der Wahrnehmung der Kids ihre Machtposition aus, so dass der Familienrat für sie schnell zur Diktatur wird. Und das schreit nach Revolution. Oder nach Partizipation. Letzteres unterstützt Metaplan.

Wichtiger Hinweis: der Moderator ist niemals die dominante Person in der Familie oder eine Konfliktpartei, sondern jemand, dem alle vertrauen, und der nicht mitentscheidet. Da die Super-Nanny ausgebucht ist, kommt vielleicht eine fitte Oma, die über den Familienangelegenheiten steht, in Frage oder ein Freund der Familie, der auch den Kids nahesteht. Wenn es um regelmäßig wiederkehrende Entscheidungen wie z B Aufgaben im Haushalt geht, kann man die Moderation auch zwischen allen Familienmitgliedern rotieren lassen. Die Regeln vor dem 1. Meeting nicht vergessen, an die sich jeder, auch ‚Big Daddy’, halten muss. Dazu gehört auch, klar und offen festzulegen, welche Entscheidungen in der Diktatur verbleiben und zu erklären, warum das so ist. Wenn sich alle drei Kinder als Haustier eine Klapperschlange wünschen, könnte es sonst ungemütlich werden.

Der Nachteil des Verfahrens: alles hängt von der Qualität des Moderators ab. So simpel das Verfahren für die Teilnehmer ist, so anspruchsvoll ist es für den Moderator (Super-Nanny, Oma, Unternehmensberater).

Good Luck!

Hier geht es zur nächsten Kreativitätstechnik: Clustering.

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