Sonntag, 8. Januar 2012

Tool (5.1.) Clustering – Kreativitätstechnik zur Unterstützung der Ideenfindung

Clustering ist ähnlich wie Metaplan ein Brainstorming-Verfahren, das in den ersten Phasen der Entstehung eines kreativen Textes am wirksamsten ist. Der psychologische Ansatz, der dahinter steht, ist der gleiche wie bei den meisten Verfahren dieser Art. Kreative Impulse entstehen aus dem Zusammenwirken unserer beiden Gehirnhälften. Die rechte GH ist unser emotionales Steuerzentrum, hier entstehen u a Bilder, Metaphern und Sprachrhythmus. Die Informationsverarbeitung erfolgt hier gleichzeitig, assoziativ und sprunghaft. Die linke GH gilt als Logikzentrum und versucht Ordnung in das Chaos zu bringen, indem sie Regeln und Abläufe identifiziert und versucht, Informationen diesen Regeln zuzuordnen (mit Bezug auf das Schreiben z B grammatikalische Regeln, die uns ermöglichen, aus den Wortbildern einen Text zu generieren).

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Bei den meisten Frauen scheint die rechte GH dominanter zu sein, bei Männern die linke. So weit die Theorie. Die Realität ist weitaus komplexer, da sich unser Gehirn gemeiner Weise nicht nur in die beiden Gehirnhälften aufteilt, sondern aus einer Vielzahl von Abschnitten, Zentren, Lappen, Feldern und anderen unappetitlichen Einheiten besteht. Die Aufgabenwahrnehmung kann zwischen Gehirnteilen wandern und einige Gehirnbereiche können andere ersetzen, z B bei einer Beschädigung. Auch der hormonelle Einfluss ist gewaltig. Die Erkenntniswelt verändert sich in der Gehirnforschung rasanter, als in nahezu jeder anderen medizinischen Disziplin und weder Psychologen (in Deutschland idR Nicht-Mediziner; die Mediziner sind Psychiater und Neurologen) und schon gar nicht Schreib-Tutoren sind wirklich up to date. Aber unabhängig davon, haben sich die Kreativtechniken bewährt, und das muss uns für den Moment reichen.

Vorgehensweise:
Für die Abfolge beim Clustering gibt es zwei Varianten.
1.  Von einer in der Mitte in einem Kreis platzierten Themenstellung ausgehend, werden freie Assoziationen gebildet, die man ebenfalls umkringelt und die mit der vorherigen Assoziation durch einen Strich verbunden sind. Eine Zensur findet wie bei Metaplan nicht statt. Man fährt so lange fort, bis einem nichts mehr einfällt. Das Ziel ist die Bildung einer Gedankenkette auf der Basis freier Assoziationen. Danach geht man zum Zentrum zurück und beginnt mit der nächsten Kette für die nächste Idee zum Thema. Wenn man zwischen Kettengliedern unterschiedlicher Ketten Zusammenhänge erkennt, kann man diese ebenfalls verbinden. Man erhält schließlich ein semantisches Netz, das weitere kreative Assoziationen anregt. Bilder, Satzfragmente, Zitate, Figuren stellen sich ein. Langsam bildet sich eine Struktur, die man verfolgen kann.
2.  Man kann um die im Zentrum stehende Themenstellung herum auch zuerst alle Alternativen aufzeichnen und dann erst je Alternative in die Detaillierung gehen. Man bildet in diesem Fall also zuerst einen Ring alternativer Ideen um das Zentrum.
Ich bevorzuge die 2. Variante. Ich bin schneller und kreativer, wenn ich zuerst alle Ideen auf einer Ebene ermittle, und dann erst an die Detaillierung der nutzbaren Alternativen gehe. Ich hänge also nicht Kette an Kette an das Zentrum, sondern lege Ring um Ring um das Zentrum. Und ich führe eine gewisse Zensur durch, weil ich bereits auf der 1. Ebene einen Großteil der Varianten eliminiere und nur 1-3 davon weiterverfolge. Die 1. Idee ist oft die beste. Diese Idee(n) splitte ich dann idR auf einem gesonderten Blatt nach dem gleichen Muster wieder auf. Ich versuche dabei, komplexe semantische Netze zu vermeiden, die beim Clustering schnell unübersichtlich werden können. Die Vorteile der 2. Variante sind Geschwindigkeit und das Denken in Szenarien. Man erkennt sehr schnell, was funktionieren könnte, und was nicht. Der Nachteil gegenüber der 1. Variante ist, dass man seine Gedankenkette immer wieder unterbricht. Auch durch die frühe Zensur geht bestimmt die eine oder andere Assoziation verloren. Chacun à son goût. Einfach ausprobieren, was die beiden Gehirnhälften da oben lieber mögen.

Wer beim Clustering komplexe semantische Netze nutzen möchte, dem empfehle ich die Verwendung einer Software. Es gibt Freeware-Angebote, die verschiedene Kreativitätstechniken unterstützen. Ich gehe im Post zu Mind Map darauf ein.

Im nächsten Post sehen wir uns ein Anwendungsbeispiel für Clustering an und bewerten das Einsatzspektrum im Vergleich zu anderen Kreativitätstechniken.

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