Sonntag, 8. Januar 2012

Tool (5.2.) Clustering (Forts.) - Vergleich mit anderen Kreativitätstechniken

Vorteile des Clustering vs. Metaplan und Mind Map:
  • es ist die simpelste der vorgestellten Kreativitätstechniken
  • ein Blatt Papier reicht als Arbeitsgrundlage aus
  • für eine Einzelperson funktioniert es wesentlich schneller, als irgend eine andere Methode
  • die Ergebnisse sind für Autoren mit Mobilitätsanforderungen leicht transportabel
  • es gibt (Gratis-)Softwarelösungen, die das Clustering unterstützen
  • wenn man zahlreiche Brainstormings mit geringer Eindringtiefe für unterschiedliche Themen schnell hintereinander schalten möchte, ist Clustering ideal
Nachteile:
  • das große Ganze ist auf einem Mind Map leichter erkennbar als beim Clustering
  • für alle sequenziellen Aktivitäten ist Clustering weniger geeignet (Kapitelabfolgen etc.)
  • Mind Map ist für komplexe und detailtiefe Aufgabestellungen die erste Wahl
  • wenn es um Zusammenarbeit geht, ist Metaplan am effektivsten (z B Textprojekte mit mehreren Autoren)
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Persönliche Erfahrung:
Da bei mir Kreativität sehr viel mit Geschwindigkeit zu tun hat, und ich entsprechende Zeiträume und psychische Voraussetzungen schnell, jederzeit und an jedem Ort nutzen muss, hat sich für mich als Schreiber Clustering als bevorzugte Methode in den ersten Phasen der Textentstehung herausgebildet. Ich löse mittlerweile jede Fragestellung, bei der es um Ideensammlung und Alternativen geht, mit Clustern. Mein aktuelles Romanprojekt hat bisher zu mehr als 50 Clustern geführt. Kurzgeschichten bereite ich abgesehen vom Reintext ausschließlich mit Clustern vor. Meine Produktivität ist mit Clustering im Vergleich zu sequentiellen, rein textlichen Verfahren etwa 50 % höher. Wenn man nach einer längeren, z B berufsbedingten Schaffenspause wieder in ein Textprojekt zurückfinden muss, ist Clustering um ein Vielfaches schneller als ein Fließtext, eine sequentielle Liste, Dots o ä.

Perfekt ist Clustering für die Teilnahme an Wettbewerben (Kurzgeschichten, Essays). Wettbewerbe haben oft Themenstellungen, die auf den ersten Blick keinerlei Resonanzfläche für die eigene Kreativität bieten. Von einem sinnfreien Thema versprechen sich manche Veranstalter vermutlich sprachliche Höhenflüge, und so ganz abwegig ist dieser Gedanke tatsächlich nicht.

Man schreibt das Thema in die Mitte, und sobald man auch nur einzigen Ideenblitz hat, kann man in Gedankenschnelle die Idee mit einem Kreis konkretisieren oder alternative Ideen wieder am Mittelpunkt ansetzen. Beim textlichen Ausschreiben geht alleine durch den Zeitfaktor ein großer Teil des latenten Kreativitätspotenzials verloren. Der größte Teil unseres Ideenschatzes liegt im Unterbewusstsein. Erst Assoziationen aus dem bewussten Teil unseres Gedächtnisses setzen eine Verknüpfung, mit der man die Ideen wie einen Fisch an der Angelleine an die Oberfläche ziehen kann. Aber die Leine ist flüchtig. In Sekundenbruchteilen kann sie abreißen und man ahnt nur noch, dass da eben noch etwas war, an das man nun nicht mehr herankommt. Frustrierend. Alzheimer-Patienten haben dieses Gefühl der verschwundenen Verbindung permanent.

Verfahren wie Clustering und Mind Map werden nicht umsonst von Gedächtnistrainern eingesetzt. Singuläre Gedanken vergisst man schnell. Nur über Assoziationen schöpft man sein intellektuelles Potenzial aus.

Die Tatsache, dass einem das Clustering wenig mehr als ein paar Kreise und Striche abverlangt, senkt auch die Eintrittsschwelle in ein Textprojekt. Ein psychischer Faktor, der nicht zu unterschätzen ist. Die Gefahr von Schreibblockaden sinkt.

Bei jeglichem Projekt, bei dem es um Zusammenarbeit und Diskussion geht, hat Metaplan bei mir dagegen eindeutig Vorrang. Bei komplexen Detaillierungen ist Mind Map übersichtlicher und überlegen. Dazu mehr im nächsten Post.

Hier ein Beispiel für ein einfaches Cluster. Die Assoziationen könnten zu einer Geschichte führen, die sich um einen Konflikt bei einer Waljagd dreht.

Clustering ppt - Beispiel_verkuerzt m Rahmen

Hier geht es zur nächsten Kreativitätstechnik: Mind Map.




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