Sonntag, 8. Januar 2012

Tool (6) Mind Map – Kreativitätstechnik für das Brainstorming und die Konkretisierung von Ideen

Mind Map ist vermutlich das bekannteste Tool im Bereich Kreativität und Gedächtnistraining. Es wurde vom britischen Mentaltrainer Tony Buzan entwickelt. Ziel der Methode ist, intellektuelle Prozesse durch das Abbilden der Gedankengänge mit Hilfe einer Map zu kartieren. Mind Tree würde es besser treffen, denn die Karte ist de facto ein Baum, aber vielleicht ließ sich letzterer Begriff nicht mehr rechtlich schützen.
Das Verfahren ist stark strukturiert und orientiert sich an einem festen Regelwerk. Es ist gut mit anderen Verfahren wie z B Clustering kombinierbar, wobei das Mind Map das Sortieren und Detaillieren der Ideen aus dem Brainstorming übernehmen würde. Das Verfahren ist durch die Fortführung von Gedankengängen in Form von Ästen strukturell bereits näher an der Storyline als andere Methoden.

Mind Map ist ausgezeichnet für die Aufzeichnung von logisch zusammenhängenden Inhalten geeignet und durch seine bildliche Darstellung exzellent rekapitulierbar. Dass Buzan Veranstalter von Gedächtnis-Weltmeisterschaften ist, überrascht nicht.
Zahlreiche Software-Lösungen unterstützen Mind Map und verwandte Methoden. Ich werde am Ende des Posts auf entsprechende Freeware eingehen.
Verfahren
Das Grobprinzip entspricht der Variante 1 des Clustering. Es ist allerdings weitaus detaillierter. Die Aufzeichnung der Ideen erfolgt in Baumform. Zu den Regeln gehört, dass die im Zentrum von der Themenstellung ausgehenden Ideen-Äste unterschiedliche Farben erhalten. Die Äste werden längs mit den Einfällen beschriftet. Jede Detaillierung wird in Form einer neuen Verästelung dargestellt. Je weiter sie vom Zentrum entfernt sind, desto dünner und kleiner werden die Äste und Buchstaben. Die Verwendung von Bildern als Assoziations- und Erinnerungsstützen ist ausdrücklich erwünscht. Eine gut gemachte Mind Map erschließt sich mit einem einzigen Blick. Man weiß sofort, worum es geht.


Das Beispiel, das ich zur Illustration zeigen möchte, ist eine Darstellung der Mind Map - Technik anhand einer Mind Map. (Zum Vergrößern anklicken).


Quelle: Regina777 aus de.wikipedia.orgLicensed under the GFDL

 
Vorteile
  • die Übersichtlichkeit durch Baumstruktur, Farben und Bilder
  • deshalb besser als Clustering für Gruppendiskussionen geeignet
  • der Spieltrieb wird ausgelöst durch spannende, manchmal lustige Darstellung, man bleibt gerne am Ball
  • die Baumstruktur unterstützt das Weiterspinnen von Brainstormingergebnissen in Richtung Storyline
  • eine Technik, die sehr nah an unseren Denkmechanismen ansetzt
  • das bildhafteste aller vorgestellten Verfahren, dadurch sehr gute Merkfähigkeit; für das Festhalten von Ergebnissen prädestiniert
  • man findet ex post sehr schnell wieder in die Gedankengänge hinein

Nachteile
  • durch die starke Strukturierung für die 1. Phase des Brainstormings einer Einzelperson (Autor) nur bedingt geeignet
  • Assoziationen verlaufen nicht nur in Ketten oder Aststrukturen. Die besten Ideen kommen oft durch Quersprünge zwischen unterschiedlichen sequenziellen Gedankengängen zustande. Für echte Innovationen bieten semantische Netze bessere methodische Grundlagen. Sie sind allerdings deutlich unübersichtlicher als Mind Maps. Ich würde den Einsatz von der Komplexität der Fragestellung und dem angestrebten Innovationsgrad der Ideen abhängig machen. In beiden Fällen kann der Einsatz einer unterstützenden Software hilfreich sein.
  • maltechnisch aufwendig (wenn man keinen geschulten Moderator hat, der die zugerufenen Ergebnisse festhält, verliert man schnell den Faden, weil die Ideen weitaus schneller kommen, als sie sich am Chart umsetzen lassen)
Persönliche Erfahrungen
Die Vor- und Nachteile des Mind Map liegen also in seiner Komplexität begründet. Wer keinen geschulten Moderator zur Hand hat (und welcher Autor hat das schon), der sollte auf eine geeignete Software zurückgreifen. Die Malerei und die farbliche Gestaltung lassen sich so wesentlich beschleunigen. Für Gruppendiskussionen würde ich aus psychologischen Gründen wiederum auf die Software verzichten, weil es dem Verfahren viel von seiner Lebendigkeit nimmt.
In einem Satz: Ich bevorzuge als Schreiber Clustering aufgrund seiner Einfachheit, für längere ergebnisorientierte Gruppen-Workshops ist Metaplan mein bevorzugtes Moderationswerkzeug und für Kleingruppen in begrenzten Räumlichkeiten nutze ich Mind Maps am Flipchart.
Es gibt ein gutes Portfolio von Software-Lösungen, mit denen man Mind Maps und verwandte graphische Darstellungen unterstützen kann. Ich habe mich bei meiner Auswahl auf Freeware fokussiert. Die Links führen direkt zu den Anbietern.
· VEU Version 3.1.1 (Open Source, englisch)
· Xmind (Open Source, nur das Profi-Paket ist m. W. kostenpflichtig)
Die Website des Mind Map – Erfinders Tony Buzan enthält weitere Tools und eine Vielzahl von Mind Map – Charts als Anregung. Hier ist der Link: Think Buzan.
 
Hier geht es zur . Nein, es handelt sich nicht um eine hochalpine Abseiltechnik für Bergsteiger, sondern um eine Kreativitätstechnik, die speziell für Autoren entwickelt wurde.

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