Dienstag, 13. März 2012

Wo findet man gute Kurzgeschichten für sein E-Book?


Die Kurzgeschichte, eine Literaturgattung, die im Printbereich als unverkäuflich gilt und von größeren Verlagen aus gutem Grund gemieden wird, erlebt durch E-Books eine Renaissance. Die Leserschaft verjüngt sich aufgrund der größeren Technikaffinität von Teens und Twens. Die Lesegewohnheiten dieser Gruppe unterscheiden sich von den Oldies nicht nur thematisch, sondern auch im Hinblick auf die präferierte Länge der per E-Book, iPad, Notebook oder Smart-Phone konsumierten Texte. Kurzgeschichten, die für die Fahrt mit der U-Bahn zur Uni oder zum Arbeitsplatz genau die richtige Länge für ein abgeschlossenes Lesevergnügen haben, finden wieder einen Markt. Selbst ultrakurze Mobile-Books werden mittlerweile kommerziell vertrieben. Während man im Printbereich heute kaum noch Fortsetzungsromane findet, belegen Romane, die vom Autor auf Häppchen von 100-200 Seiten verteilt werden, vordere Plätze in den E-Book-Ranglisten. Neben veränderten Lesegewohnheiten mag ein weiterer Grund sein, dass man einem E-Book die Textlänge nicht ohne Weiteres ansieht - schließlich kann man die Schriftgröße der Texte beliebig verändern, so dass auf Seitenzahlen verzichtet werden muss. Da sich E-Books für einen Preis unter einem Euro besonders gut verkaufen, können Autoren auf diese Weise trotzdem auf ihre Kosten kommen. Viele Stories werden von Autoren ohne Lektorat und im Selbstverlag auf Amazon&Co eingestellt. Das Niveau der Texte ist leider oft amateurhaft, aber es gibt auch fantastische Stories von No Name - Autoren. Wo kann man nun gute E-Kurzgeschichten finden? 

Da es ausgesprochen zeitaufwendig ist, auf dem elektronischen Wühltisch aus tausenden Amateurtexten die wenigen qualitativ lohnenden Exemplare herauszufiltern, bin ich dazu übergegangen, nur noch Textquellen mit einem professionellen Lektorat zu nutzen. Viele, wenn nicht sogar die meisten Kurzgeschichten-Anthologien werden von Verlagen herausgegeben, die aus Kostengründen auf ein Lektorat verzichten. Viele große Online-Plattformen für Hobby-Autoren, in denen man Gratis-Kurzgeschichten findet, verfügen über keinerlei Qualitätssicherung. Einige (wie Neobooks) nutzen Hobby-Rezensenten, die die Texte bewerten und Sternchen und warme Worte nach Gefallen verteilen. Manchmal findet man in den daraus abgeleiteten Ranglisten den ein oder anderen interessanten Text. Branchenprofis wissen allerdings, dass vordere Plätze oft das Ergebnis von Freundschafts- und Massenbewertungen sind. Manch Rezensent schreibt tausend Rezensionen pro Jahr, was qualifizierte Bewertungen unmöglich macht, aber Ranglistenplätze pusht. Für die Verlage, die zT die Plattformen betreiben, handelt es sich vor allem um Kundenbindungsinstrumente. Anstelle von Bons wie im Supermarkt oder Meilen für Fluggäste, gibt es hier Hierarchien (‚Top-Rezensent’), kleine Vergünstigungen für Vielschreiber und ab und zu einen Buchvertrag. Neobooks ist technisch allerdings sehr professionell gemacht.

OK, aber woran erkennt man jetzt, dass eine Kurzgeschichte/eine Anthologie lektoriert wurde? Ex ante leider gar nicht, da selbst die Verlage mit einem professionellen Lektorat auf einen entsprechenden Hinweis und damit auf ein wichtiges Kaufargument verzichten. Als Autor kenne ich natürlich diejenigen Verlage, bei denen ich selber veröffentlicht habe und von einem Lektor (zu Recht) gequält wurde, aber ich möchte hier keine Werbung machen.

Gute Erfahrungen habe ich mit dem jährlichen Agatha-Christie-Krimipreis als Textquelle gemacht. Dahinter steht mit dem Fischer Taschenbuchverlag ein professioneller Veranstalter, der richtig Geld in die Hand nimmt. Die besten 25 Texte (aus zumeist über 600 Einsendungen) werden jeweils in einer E-Book-Anthologie veröffentlicht. Das Niveau ist ansprechend. Die meisten renommierten Veranstalter von Lit-Preisen bringen ex post leider nur Print-Anthologien heraus. Dennoch lohnt sich ein Blick in die Liste der nominierten Autoren. Da die Veranstalter häufig keine exklusiven Veröffentlichungsrechte erwerben, bringen viele Autoren ihre Texte auf eigene Faust zusätzlich als E-Book heraus. Einfach mal die Namen googeln, das geht immer noch schneller, als blind nach der Nadel im Blätterwald zu suchen. Ein seriöser Veranstalter ist bspw. die Krimi-Autorenvereinigung ‚Das Syndikat’ (Friedrich-Glauser-Preis). http://www.das-syndikat.com/nominiert-2012/

Für die Unerschrockenen nenne ich noch ein paar (nicht lektorierte) Online-Plattformen, auf denen man Gratis-Kurzgeschichten findet. Einige kommen aus dem engl. Sprachraum, aber man findet immer auch dt. Texte.

www.BookRix.de (große dt. Plattform)
www.Neobooks.com (dt, s. o.)
www.scribd.com (angeblich weltgrößte Plattform dieser Art)
http://thepiratebay.se/ (riesige Plattform; viele der Texte stammen aus Bestsellern und werden hier unter Verstoß gegen das Urheberrecht eingestellt – nur so als Hinweis)

Viel Spaß beim Stöbern!

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