Montag, 16. Juli 2012

Vier Lese-Tipps für Hard Boiled & Neo Noir Fans

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Shirker (Amazon.de Link)

Ein modernes Pendant zu Chandler ist zB der Autor Chad Taylor. Sein Roman Shirker ist ein Neo Noir-Krimi mit surrealen Elementen. Er wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht eines abgefuckten Anlageberaters geschildert. Ein Marlow-Typ, der in seinem schäbigen Büro lebt und der sich ziellos durchs Leben schlägt. Er findet eine Brieftasche, die ihn auf die Spur eines Serienkillers führt, der Zeit und Raum überdauert zu haben scheint. Schon der 1. Satz ist so ungewöhnlich wie der ganze Roman. "Der jüngere der zwei Polizisten bückte sich und zog mir die Uhr vom leblosen Handgelenk." Der Roman ist auch sprachlich modern und schnörkellos.


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 Die Marseille-Trilogie (Amazon.de Link)

Jean-Claude Izzo hat drei hervorragende Neo-Noir - Krimis geschrieben, die in einem Sammelband erschienen sind: Die Marseille-Trilogie: Total Cheops, Chourmo, Solea. Inh.: Ein kleiner Polizist mit mehr Freunden unter den Kriminellen, als unter den Kollegen versucht u. a. den Tod zweier Freunde aus seiner eigenen kriminellen Vergangenheit aufzuklären. Izzo schreibt sehr realistische Romane, in denen die Grenzen von Polizei und Kriminalität verwischen. Er hat ein Herz für die Verlierer, die Migranten, die Außenseiter. Ein melancholischer Lonely Wolf auf der Suche nach gerechten, aber nicht immer rechtmäßigen Lösungen. Die Trilogie ist auch sprachlich Oberklasse. 

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DAEMON (Amazon.de Link)

Ein thematisch aktueller Noir-Roman ist DAEMON: Die Welt ist nur ein Spiel von Daniel Suarez. Ein Cyber-Thriller, in dem ein Krimineller ein Computerspiel startet, das nach seinem Tod startet und das versucht, eine Welt zu erschaffen, die den rationalen Regeln der virtuellen Realität gehorcht. Der Roman ist eine technisch hochaktuelle Version von Orwells 1984, in dem sich die Grenzen zwischen Mensch und Maschine, Gut und Böse auflösen.
Eine detaillierte Rezension findet sich hier.



Die Gefürchteten (Amazon.de Link)
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Zuletzt ein Hard Boiled - Roman in einer ungewöhnlichen Verpackung: Western. Ich bin kein Western-Fan, aber dass das ungewöhnliche Konstrukt funktionieren kann, hat Tom Franklin mit Die Gefürchteten bewiesen. Der Roman beruht auf einem tatsächlichen Fall. Ungewollt töten zwei Jugendliche einen Kaufmann, was bürgerkriegsähnliche Folgen nach sich zieht. Ein alternder Alkoholiker, der Sheriff, versucht gegen das Unvermeidliche anzukämpfen. Sprachlich und dramaturgisch exzellent von einem der größten Talente der jüngeren US-Literatur in Szene gesetzt.
Eine detaillierte Rezension findet sich hier.

 Viel Spaß!

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