Donnerstag, 27. Dezember 2012

Rezension – ‚ Access to Power’ von Robert Ellis


 Bildquelle: Amazon / Robert Ellis, Create Space
Genre:
Polit-Thriller.

Umfang:
Ca. 400 Seiten (TB).

Inhalt:
Der bekannte Washingtoner PR-Berater Frank Miles unterstützt den texanischen Millionär Mel Merdock bei seinem Versuch, den vakanten Senatssitz für Virgina zu gewinnen. Als Franks Geschäftspartner und enger persönlicher Freund Woody in den Büroräumen der PR-Beratung tot aufgefunden wird, sieht zunächst alles nach einem Raubmord aus. Als Frank erste Ungereimtheiten entdeckt, die gegen einen Raubmord sprechen, muss er feststellen, dass weder die Staatsanwaltschaft noch die politischen Entscheidungsträger in Washington auch nur das geringste Interesse haben, die wahren Täter zu ermitteln. Als Frank daraufhin eigene Nachforschungen anstellt, tritt er eine Lawine der Gewalt los und gerät selbst ins Fadenkreuz der Killer.

Perspektive:
Personale Perspektiven weniger Figuren (insb. des Protagonisten Frank und des Killers).

Erzählzeit:
Präteritum.

Setting:
Washington und Umgebung. Geogr. und soziales Setting (Politkaste) wirken ausgesprochen authentisch.

Struktur und Spannungsbogen:
Ausgehend vom auslösenden Ereignis (Ermordung von Woody) entspinnt sich eine klassische Whodunit-Story, in der Frank unterschiedliche Spuren verfolgt. Zu Anfang glaubt niemand an seine Theorien und er agiert weitgehend als Lonely Wolf. Erst als die Blutspur unübersehbar wird, und er aufgrund seiner Hartnäckigkeit selbst ins Fadenkreuz gerät, kann er auf seine Ex-Frau (gleichz. seine Geschäftspartnerin) und auf zwei Polizeibeamte bauen. Dennoch wirken die Gegner aufgrund ihrer politischen Macht und finanziellen Möglichkeiten bis zur Klimax unüberwindlich.

Während der Autor zu Anfang mit großem Kenntnisreichtum und authentisch auf die politische Szene Washingtons eingeht und der Story hierdurch einen jederzeit glaubwürdigen Real-Touch gibt, tritt der Politkrimi im späteren Plotverlauf immer mehr hinter der geradezu explodierenden Action zurück. Das ist ausgesprochen schade, weil die sehr interessante und fundierte Backgroundstory ein tolles Fundament für einen ausgefallenen und anspruchsvollen Politkrimi hergegeben hätte. Irgendwann hat den Autor offenbar der Mut verlassen, und so ist aus einem James Ellroy würdigen Plot etwas geworden, das zeitweise an einen Jason Statham – Film à la ‚Transporter’ erinnert. Ganze Killerrudel agieren in der Klimax weitgehend ungestört von lästigem Sicherheitspersonal im und auf dem Kapitol. Die Action ist gut gemacht – keine Frage, aber sie killt den Plot auf vollkommen unnötige Weise. Unnötig auch deshalb, weil Ellis über herausragende sprachliche Fähigkeiten verfügt, die spielend ein spannendes Kopfkino in den grauen Zellen seiner Leser triggern könnten, ohne platte Action bemühen zu müssen. Gerechterweise muss darauf hingewiesen werden, dass ‚Access to Power’ Ellis Debutroman war. Die notwendige Selbstsicherheit, um eigene dramaturgische Wege zu gehen, stellt sich idR erst nach einigen Romanen ein.

Dadurch, dass die Bösen bereits frühzeitig bekannt sind und ihre vorgegebene Rolle auch nicht durch einen überraschenden Twist zum Ende hin aufgehoben wird, verschenkt Ellis intelligente Spannung, die über die Action hinausgeht. Die Antagonisten bis zur Klimax in der Schwebe zu halten, hätte dem Plot gut getan.

Charaktere:
Ellis hat ein interessantes, wenn auch nicht charakterlich tief angelegtes, Figurenkabinett geschaffen. Sowohl der Protagonist, als auch die antagonistischen Kräfte haben einen hohen Wiedererkennungswert. Etwas Sex Appeal in Form der (übertrieben) nymphoman agierenden Frau des Senatskandidaten sowie in der Rolle der vom Protagonisten immer noch begehrten Ex-Frau hat Ellis auch noch in den Story-Meltingpot gegeben. Das wirkt zT etwas bemüht. Vielleicht hat Ellis Lektor eine Checkliste parat gehabt, was in einem Thriller alles drin sein muss.

Sprache/Duktus:
Ellis sprachliche Fähigkeiten sind deutlich oberhalb dessen anzusiedeln, was man bei Thrillerautoren üblicherweise antrifft. Sein Ausdruck ist knapp und überaus präzise. Vergleiche zu Ellroy drängen sich auf, auch wenn der berühmte Kollege seinen Stil bis zur Stakkatohaftigkeit ausreizt. So weit geht Ellis (auch in seinen späteren Romanen) nicht. Da ich den Roman im amerikanischen Original gelesen habe, kann ich etwaige Übersetzungsversuche ins Deutsche nicht kommentieren.

Fazit:
‚Access to Power’ ist ein spannender Thriller, der über den Basisplot hinaus auch eine lehrreiche Komponente hat. Ellis beobachtet die politischen Seilschaften, vor allem aber die weitgehend im Verborgenen ablaufende Tätigkeit der Politberater, mit großer Tiefenschärfe. Die taktischen Schachzüge des Protagonisten und seiner politischen Gegner miterleben zu dürfen, ist an sich schon spannend. Hierauf eine Thrillerhandlung aufzusetzen, ist ein ungewöhnlicher und intelligenter Versuch. Leider übertreibt es Ellis mit seinen Actionszenen, die zur Klimax hin immer unglaubwürdiger werden. Hierdurch wird viel vom Politpotenzial des Thrillers verschenkt. Dennoch ist Ellis mit seinem Debut ein spannender und empfehlenswerter Roman gelungen, der auch sprachlich in der oberen Liga spielt.

Subjektive Bewertung:
3 Sterne (von max. 5)

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