Samstag, 19. Januar 2013

Filmkritik – ‚Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin’ von Jonathan Dayton / Valerie Faris (Regie)



Bildquelle: Amazon.de / 20th Century Fox
Genre:
Changierend zwischen ‚Romantischer Komödie’ (RomCom) und ‚Tragikkomödie’.

Inhalt:
Calvin Weir-Fields hat als junger Autor vor Jahren einen sehr erfolgreichen Roman geschrieben und wird seither als Wunderkind der Branche gehandelt. Tatsächlich leidet Calvin an einer Schreibblockade und lebt einsam mit seinem Hund Scotty in seiner Villa. Da Calvins einziger Bezugspunkt sein Hund ist, rät ihm sein Psychiater als Übung einfach eine Seite über jemanden zu schreiben, der seinen Hund mag. Calvin träumt daraufhin von einer jungen Frau, die ihm im Park begegnet und die seinen Hund malt. Calvin nennt die Frau Ruby Sparks und beginnt über sie zu schreiben. Die Ideen fliegen ihm plötzlich nur so zu und ein Roman entsteht. Als Ruby eines Tages in seiner Wohnung steht, glaubt Calvin anfänglich, er leide unter Halluzinationen, doch auch seine Freunde können sie sehen – Ruby ist zwar seinem Roman entsprungen, aber sie ist real. Außerdem stellt Calvin fest, dass er in der Lage ist, Rubys Verhalten umzuschreiben – eine Versuchung, der Calvin nicht nachgeben will, der es jedoch immer schwerer wird standzuhalten, denn Ruby ist chaotisch und emotional – kurzum, sie ist das exakte Gegenteil von Calvin und sie wirbelt seine gewohnte Welt durcheinander.

Kritik:
Ruby Sparks besteht im Grunde aus zwei Filmen. Der Film beginnt als locker-leichte Komödie und bedient in dieser Phase eine Vielzahl von Klischées, angefangen vom weltfernen, soziophoben Schriftsteller mit Schreibblockade, der selbstverständlich eine Olympia-Schreibmaschine besitzt und zu einem Psychiater dackelt. Die Mutter des Autors ist selbstredend ein Alt-Hippie und das exakte Gegenteil des verklemmten Sohnes. Den Hund als einzigen Freund wollen wir nicht vergessen. Das hört sich langweilig an, wäre es auch, wenn die beiden Hauptakteure Paul Dano und Zoe Kazan (die auch das Drehbuch geschrieben hat) nicht so funkensprühend miteinander agieren würden. Es macht einfach Spaß die so gegensätzlichen Charaktere aufeinanderprallen zu sehen. Dano liefert zudem eine überragende Leistung als verklemmter Autor ab, der seine Angst, verrückt zu werden, als Ruby vom Buch in sein Leben tritt, umwerfend komisch auslebt.

Der zweite Teil des Films beginnt, als Ruby anfängt, sich dem kontrollierenden Charakter ihres Erzeugers zu entziehen. Er gipfelt in einer Szene, in der Calvin seine Freundin, die bislang nichts von ihrer Entstehung wusste, wie ein Kind sein Spielzeug mit schnell eingetippten Sätzen fernsteuert. Er lässt sie mal französich sprechen, dann mit den Fingern schnippen, er macht sie fröhlich, traurig – er zeigt ihr, wer ihr Gott ist. Doch Calvin ist kein glücklicher Gott. Die Szene hat Vergewaltigungscharakter und ist ungeheuer präsent gespielt. Man kann darüber streiten, ob heutzutage unbedingt ein Mann eine Frau dominieren muss, weil hiermit klassische Rollenschemata bedient werden, aber die Message des Films hat trotz allem ihre Berechtigung. Seinen Partner als Projektionsfläche für seine Träume zu benutzen, ist eine sichere Methode, eine Diktatur im Kleinen aufzubauen und seine Beziehung gegen die Wand zu fahren. Die Erkenntnis mag banal sein, aber die parabelartige Weise, mit der Ruby Sparks das Thema aufarbeitet, ist interessant und sie wird vor allem sehr authentisch von den Akteuren umgesetzt. Wer jetzt befürchtet, dass der Film nach der Klimax zurück in die komödiantische Belanglosigkeit kippt, wird dankbarer Weise enttäuscht. Die Auflösung möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht vorwegnehmen.

Fazit:
Ruby Sparks ist ein von der Grundidee her interessant aufgebauter und schauspielerisch unverbraucht und authentisch umgesetzter Film, der außerhalb eindeutiger Genre-Schubladen agiert. Er ist zugleich RomCom, Drama undTragödie. Die nicht immer glückliche Regie und die anfängliche Klischeeanhaftung werden durch das starke Schauspiel und die dramatische Klimax mehr als ausgeglichen. Auch wenn Hollywood die Aufnahmefähigkeit seines Publikums mit Filmen über Autoren derzeit strapaziert (zuletzt z. B. Words, Liberal Arts, Young Adult), sollte man sich den kleinen Film nicht entgehen lassen.

Subjektive Bewertung:
3-4 Sterne (von max. 5).

IMBD-Bewertung: (Stand 19.01.2013)
7,2 (von max. 10) – ein guter Wert.


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Nice to know:
Zoe Kazan ist die Enkelin des Hollywood-Gotts Elia Kazan (u. a. ‚Jenseits von Eden’). Sie hat auch das Drehbuch verfasst.

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