Mittwoch, 30. Januar 2013

Filmkritik ‚ Stand Up Guys’ von Fisher Stevens (Regie)

Bild-Quelle: wikipedia; Kindly granted by Thomas Schulz from Vienna, Austria (Al PACINO) [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Genre:
Thriller-Komödie.

Inhalt:
Nachdem er 28 Jahre im Gefängnis abgesessen hat, wird Val (Al Pacino) in die Freiheit entlassen. Er hat weder Geld noch eine Familie, die auf ihn wartet, deshalb quartiert er sich bei seinem alten Gangsterkumpel Doc (Christopher Walken) ein. Während Val seinen ersten Tag in Freiheit genießt und seine Zeit mit Bordellbesuchen und Fressorgien verbringt, wirkt Doc zunehmend bedrückt. Er hat einen Job zu erledigen und dieser Job ist sein bester Freund, der für ihn in den Knast gegangen ist und ihn in all den Jahren nicht verraten hat. Val hatte bei ihrem letzten gemeinsamen Ding den Sohn des Mafiabosses Claphands (Mark Margolis) durch einen Querschläger unbeabsichtigt getötet. Als Doc für Val um Gnade bittet, droht Claphands, seine Enkelin zu töten, wenn Doc den Job nicht bis zehn Uhr am nächsten Morgen erledigt hat.

Kritik:
‚Stand Up Guys’ ist ein Buddy-Movie, in dem Gangster im Pensionsalter noch einmal die Welt, die sie bereits vergessen hat, aufmischen können, bevor sie in ihren letzten Sonnenuntergang ‚reiten’. Das hört sich nach einer gefährlichen Mischung aus Pathos und Peinlichkeit an, aber der Film ist das exakte Gegenteil. ‚Stand Up Guys’ ist über weite Strecken sehr witzig und dreht an richtigen Stellen ins Dramatische. Aber ganz unabhängig vom Drehbuch hat man bei Pacino und Walken jederzeit den Eindruck, dass sie diesen Film leben, weil er in gewisser Weise auch für ihre Position im realen (Schauspieler)Leben steht. Sie können, bevor die letzte Klappe fällt, noch einmal alles aus sich herauskitzeln, was schauspielerisch in ihnen steckt. Pacino geht in der Rolle des leicht schmierigen Italo Gangsters, der aus den letzten Stunden seines Lebens auch noch den letzten Tropfen Lebensfreude herauszupressen versucht, vollkommen auf. Er zieht jedes Register, ohne zu spielen, einfach durch pures Sein. ‚Method Acting’ at its best. Unauffälliger, aber nicht weniger glaubwürdig, spielt Walken den mit sich ringenden Freund. Er repräsentiert den inneren Konflikt, der, bei aller Komik, die Spannung in der Story hält. Seine Leichenblässe, die Steifheit seiner Bewegungen und die Blicke, die er seinem Freund und Opfer zuwirft – Doc ist die gelebte Qual, was noch dadurch verschlimmert wird, dass Val sein Schicksal, das er Doc schnell entlockt, annimmt, ohne eine einzige Frage oder gar einen Vorwurf in den Raum zu stellen.
‚Wie kann ein so tragischer Plot witzig sein?’, werden Sie sich fragen. Indem die Protagonisten sich selbst nicht ernst nehmen. Sie wissen um die Parodie auf die Gangsterrolle, die sie wieder aufleben lassen und müssen nichts mehr beweisen, weil es nichts mehr zu gewinnen gibt. Sie brechen nicht mehr in Banken ein, sondern in Apotheken, um sich mit den altersgemäßen Helferlein einzudecken. In der Apotheke lebt Walken auf, wie ein Kind im Spielzeugladen. Die Überdosis Viagra mit den absehbaren Folgen, die sich sein Kumpel Val einwirft, wirkt bei Pacino nicht platt, sondern hilfeschreiend komisch.
Pacino, Walken und der nur kurzzeitig (über)lebende Dritte der Altengang (Alen Arkin) hatten beim satirischen Spiel mit ihren Images offenbar einen Heidenspaß und den haben wir Zuschauer auch.

Fazit:
Ansehen! Wer von den aktuellen Oldie-Buddy-Movies um die Action-Senioren Sly Stallone und Bruce Willis abgeschreckt wird – don’t worry, be happy! Schauspielerisch ist ‚Stand Up Guys’ um Welten besser. Aber wen überrascht das?

Meine subjektive Bewertung:
4 Sterne von max. 5.

IMBD-Bewertung:
6,6 von max. 10 (Stand 30.01.2013) - nur ein mittelmäßiger Wert, was daran liegen mag, dass viele Zuschauer angesichts der Akteure einen ‚echten’ Thriller erwarten und keine Satire auf das Genre und auf sich selbst ( just a guess).

Anmerkung:
Die Synchro ins Deutsche kann ich leider nicht bewerten, da ich den Film in den USA gesehen habe.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen