Samstag, 2. Februar 2013

Filmkritik ‚Promised Land’ von Gus Van Sant (Regie), Matt Damon (Hauptrolle)



Bild-Quelle: wikipedia /Cropped version of a picture posted on Flickr as http://www.flickr.com/photos/22785954@N08/3896569920/66ème Festival de Venise (Mostra)

Genre:
Drama.

Inhalt:
Steve Butler (Matt Damon) ist im Management seines Arbeitgebers, der Global Crosspower Solutions, dafür bekannt, Farmer mit vergleichsweise geringen Zahlungen dazu zu bringen, das Energieunternehmen auf ihrem Grund nach Gas bohren zu lassen (mit sog. Fracking). Auch als er mit seiner Kollegin Sue (McDormand) in eine Kleinstadt im ländlichen Pennsylvania kommt, sieht alles nach einem schnellen Erfolg aus. Wie in vielen Agrargebieten der USA sind die Farmer bei ihren Hausbanken hoch verschuldet und für jede Möglichkeit dankbar, etwas Geld hinzuzuverdienen. Bei einer Informationsveranstaltung, die Steve im Ort abhält, gelingt es jedoch einem alten Naturkundelehrer, Steves Zusicherung, dass Fracking eine sichere und vollkommen risikofreie Methode sei, um das wertvolle Gas unter dem Ort abzubauen, in Zweifel zu ziehen. Er verlangt eine Abstimmung der Dorfgemeinschaft über die Vergabe der Fracking-Lizenzen. Steve will die Zeit bis zur Abstimmung nutzen, um weiter für sein Unternehmen zu werben. Als der Naturschützer Dustin Noble (Krasinski) im Ort auftaucht, um den Lehrer mit einer Anti-Fracking-Kampagne zu unterstützen, gerät Steve unter Druck. Noble kann mit Fotos von einem durch Fracking verursachten Unglück nachweisen, dass der Gasabbau per Fracking das Grundwasser verseuchen kann. Die toten Kühe auf den großformatigen Aufnahmen bringen die Dörfler gegen Global Crosspower Solutions auf. Auch Steve kommen erste Zweifel an seinem Projekt. Er kommt selbst aus einer Farmerfamilie und weiß, wie anfällig die finanziell angeschlagenen Menschen für Versprechungen (Promises) sind. Auch sind ihm der Lehrer und seine junge Kollegin symphatisch. Gerade als Steve dabei ist, sein Vorhaben verloren zu geben, erhält er in einem Briefumschlag brisante Unterlagen, die alles verändern.

Zum Hintergrund des Films:
Matt Damon, der das Drehbuch zu ‚Promised Land’ mitverfasst hat, und der auch zu Anfang die Regie übernehmen sollte, hat sich ein einen gesellschaftlichen Hintergrund für seinen Film ausgesucht, der gerne übersehen wird, welcher die amerikanische Gesellschaft jedoch ähnlich hart trifft, wie der Krieg gegen den Terror und die Finanzkrise. Wenn wir als Europäer an die USA denken, dann tauchen vor unserem inneren Auge in der Regel die Skyline von Manhattan, der Hollywood-Schriftzug und die Strände Kaliforniens auf. Aber die USA sind größtenteils ein Agrarland und dazu noch eines ohne die starke Lobby, die den Landwirten in Europa nahezu jeden zweiten Subventionseuro verschafft. Wer mit dem Wagen durch die endlos scheinenden Farmgebiete der USA fährt, dem fallen neben den geraden Straßen vor allem die unzähligen Foreclosure-Schilder auf, die den Straßenrand säumen. Wer, wie viele Landwirte, seine Kredite nicht mehr bedienen kann, dessen Farm wird von den Banken zwangsveräußert. Jemand wie Steve Butler, der den Bauern einen warmen Geldregen verspricht, ohne dass sie dafür ihre über Generationen in Familienbesitz befindlichen Farmen aufgeben müssen, erscheint wie ein Messias und die Farmen werden plötzlich zum ‚Promised Land’. Je teurer und politisch unsicherer das arabische Öl ist, desto mehr lohnt sich der inländische Gasabbau. Mit anderen Worten: Steve Butler & Co. fallen wie Heuschrecken über das Land her und ihr Ziel ist simpel. Möglichst viele Farmer sollen für möglichst wenig Geld Nutzungsverträge für die Aufstellung von Gasbohranlagen unterschreiben. Auch für die Gaskonzerne sind die Farmen ein ‚Promised Land’ für Millardenumsätze.
Bedenkenträger sind nicht willkommen, das musste auch das Filmteam erfahren. Sowohl die Repräsentanten der Fracking einsetzenden Konzerne, als auch Vertreter der Farmer sind gegen den Film und ihre Darstellung in demselben Sturm gelaufen. Angeblich waren die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an der Finanzierung des Films beteiligt. Deshalb sei - aus ihrer Sicht  - der Film nicht glaubwürdig, schließlich habe die OPEC kein Interesse an einer Unabhängigkeit des Westens von ihrem Öl. Umweltschützer wiederum unterstützen die Darstellung des Films. Wer sich für das Thema Fracking iR der Gasgewinnung interessiert, dem sei der oscarnominierte Dokumentarfilm ‚Gasland’ empfohlen. Das Thema ist übrigens auch hierzulande akut.

Kritik:
Das Thema hat ohne Zweifel einen gesellschaftlichen Wert und ein entsprechender Film ist zu begrüßen, aber ‚Promised Land’ bleibt unter seinen Möglichkeiten. Matt Damon hat ohne Frage das Zeug dazu, um einen grundsätzlich guten Kerl, der einer bösen Sache dient und geläutert wird, auszufüllen. Allein das Drehbuch gibt diesen Wertewandel und den inneren Konflikt, der ihm vorausgeht, nicht her. Steve ist gut und er bleibt gut, weil er von seinem Arbeitgeber hinters Licht geführt wurde. Seine Motivation für seinen Job (armes Farmkind wollte weg vom Farmleben) und den Wandel (hängt mit dem Herzen doch am Farmleben) wird zwar biografisch angedeutet, aber sie wird in der Handlung nicht ausreichend verankert. Es bleibt beim „ Ah ja ...“ – was wir wollen ist ein „Oh Gott!“ - aus Zuschauersicht. Wir wollen einen von seinen Zweifeln zerfressenen Protagonisten, jemanden, der kaputt geht, wenn er nicht ... ja, wenn er nicht die einzig mögliche, aber für ihn persönlich potenziell verhängnisvolle Entscheidung trifft. Steve Butler wirkt nicht mehr involviert, als unserereins bei einem Restaurantbesuch, bei dem man sich zwischen einem Steak und einem CO2-freundlicheren Soja-Burger entscheiden muss. Selbst als der Naturschützer Steve die Freundin in spe ausspannt, kommentiert er dies ex post nur mit der Frage an sie: ‚Und, hättest Du Dich auch von mir einladen lassen, wenn ich Dich gefragt hätte?’ (sinngemäß wiedergegeben). Mit der Wut auf den Nebenbuhler versus der Einsicht, dass jener mit seinem Boykottaufruf Recht hat, hätte man wunderbar spielen können. Die Liebesgeschichte bleibt nahezu ungenutzt, die Interaktion mit der Kollegin ebenfalls und Steves Vorgeschichte hätte man durchaus in die Handlung einbauen können. Wenn die Farm der Familie direkt betroffen wäre, hätte der Konflikt mit (zB) dem Vater oder Bruder zusätzlichen Konfliktstoff für den Plot geliefert. Wie die Verbindung eines Umweltanliegens mit einem Familiendrama verknüpft werden kann, hat ‚Descendants’, der oscarprämierte Film mit George Clooney vorgemacht. Selbst das Thema Fracking wird bei ‚Promised Land’ nur oberflächlich angesprochen – etwas mehr ‚wie’, was’ und ‚warum’ würde zumindest das intellektuelle Interesse des Zuschauers bedienen. Die Auflösung der Geschichte birgt zwar einen überraschenden Plot-Twist, sie wirkt allerdings etwas hanebüchen, auch wenn den Gaskonzernen einiges zuzutrauen ist.

Fazit:
Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich den Film ruhig ansehen, um einen ersten Eindruck der Verhältnisse zu bekommen. Für ein Drama bleiben die Charaktere und ihre Konflikte leider zu flach, um uns mitzureißen. Trotz des relevanten Themas und trotz Matt Damon in der Hauptrolle.

Meine subjektive Bewertung:
2-3 Sterne von max. 5.

IMBD-Bewertung:
Aktuell 6,2 von max. 10 - ein bestenfalls mittelmäßiger Wert.

Anm.: Die Synchro kann ich nicht bewerten, da ich den Film in den USA im Original gesehen habe.

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