Samstag, 9. März 2013

Rezension – ‚Der Löwe’ von Nelson DeMille (Originaltitel: ‚The Lion’)


Genre:
Thriller.

Umfang:
Ca. 577 Seiten (Print).

Serie:
Ja (John Corey Reihe). Fortsetzung des Romans ‚Das Spiel des Löwen’ (‚The Lion’s Game’).

Inhalt:
Nachdem der libysche Terrorist Khalil drei Jahre lang untergetaucht war, reist er in die USA, um einige offene Rechnungen zu begleichen. Eines seiner Opfer ist Kate, die Frau des ehemaligen NYPD Detectives John Corey. Nachdem es Corey in einer spektakulären Aktion gelingt, seine Frau zu retten, heftet er sich an die Fersen des Terroristen, denn es scheint sicher, dass er seinen knapp gescheiterten Anschlag vollenden wird. Khalil zieht eine blutige Spur durch New York, doch er ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Schließlich stimmt Corey zu, als Lockvogel für die Ergreifung Khalils herzuhalten. Die Pläne der Polizei bleiben dem Terroristen nicht verborgen. Khalil lockt Corey in eine Falle, aus der nur einer der beiden entkommen wird.

Perspektive:
Größtenteils Ich-Erzähler (John Corey). Einige wenige Kapitel aus personaler Perspektive Khalils.

Erzählzeit:
Präteritum.

Setting:
New York und Umgebung. Der Ort hat aufgrund seiner 9/11-Symbolkraft große Bedeutung. Corey ist darüber hinaus als Ex-NYPD New Yorker par excellence. Die Anschläge auf seinen Home Turf nimmt er ausgesprochen übel.

Struktur und Spannungsbogen:
Klassisch für einen Anti-Terror-Thriller. Ausgehend vom auslösenden Ereignis (Anschlag auf Kate), das in diesem Fall ein Action-Leckerbissen ist, versucht der Protagonist, weitere Anschläge und insbesondere den finalen Vernichtungsschlag zu verhindern. Wer der Urheber ist, ist von Anfang an klar. Die Handlung kulminiert in einer Alles-oder-Nichts – Szene zwischen Protagonist und Antagonist, aus der nur einer der beiden als Sieger hervorgehen kann. Well, das Ganze erinnert zum Schluss etwas an einen John Wayne - Western. Die Handlung ist emotional aufgeladen, subtile Ermittlerarbeit findet kaum statt.
Der Roman lebt stimmungsmäßig von der Post-9/11 Hysterie und der verletzten amerikanischen Volksseele, die erstmals eine kriegsähnliche Situation auf US-Kernterritorium erleiden musste. DeMille geht mit einem Pathos zu Werke, das Nicht-Amerikanern sauer aufstoßen muss. Die Gegner kommen alle aus ‚Sandland’ – geografische oder gar ethnische Feinheiten erspart uns der Autor. Klar, der Gegner ist der Araber – dass Afghanen und Iraker keine Araber sind – mit diesen Feinheiten hält sich DeMille nicht auf, und da der größte Teil seiner Leserschaft in einem Land lebt, dessen Durchschnittsbürger nicht gerade für ihre geografischen Detailkenntnisse berühmt sind, macht dies aus reiner Marketingsicht möglicherweise sogar Sinn. Trotzdem ist die Weltsicht, auf der der Plot aufsetzt, hoffnungslos überlebt und die Dauerbeschimpfung der arabischen Welt, der John Corey & Co sich befleißigen, ermüdet etwas differenzierter denkende Intellekte – zumindest nördlich von Texas.

Charaktere:
John Corey als Protagonist und Khalil als Antagonist sind figürlich ausgeleuchtet. Khalil kommt als „Das reine Böse“ im Vergleich zum Roman ‚Das Spiel des Löwen’ jedoch zu kurz. Seine Motivationslage (seine Familie wurde in Libyen von US-Jets getötet) wird zwar angesprochen, aber das ist zu wenig, wenn man diesen Roman eigenständig anbietet. Khalil ist ein monokausaler Killer – ein ‚flat character’ ohne jeglichen Wertewandel. Coreys schnodderige Art gefällt dagegen. Er kommt als Original rüber und man verzeiht ihm die ein oder andere Grobheit. Insbesondere sprachlich wird die Charakterisierung des Protagonisten perfekt umgesetzt (s. u.).

Sprache/Duktus:
DeMille ist für seine ironisch-sarkastische Sprache berühmt und auch im vorliegenden Fall enttäuscht er seine Leser nicht. Sprachlich hat mir der Roman sogar außerordentlich gut gefallen. Der witzig-lässige Grundton in Coreys Dialogbeiträgen wurde meines Erachtens nur in DeMilles frühem Roman ‚Plum Island’ ähnlich brillant getroffen (und ich habe nahezu jedes seiner Bücher gelesen). Umso bedauerlicher ist, dass der Hass auf alles (vermeintlich) Arabische auf so unerfreuliche Weise die Lesefreude verdirbt.

Fazit:
Für Freunde der DeMille’schen Ironie ist ‚Der Löwe’ eine klare Empfehlung. Sprachlich ist der Roman sehr originell umgesetzt worden (4 Sterne). Das amerikanische Pathos verbunden mit einer kaum noch verzeihlichen politischen Gestrigkeit trübt allerdings den Lesegenuss. Ein Autor ist kein Soldat und hoffentlich auch kein volkstümelnder Provinzpolitiker. Er sollte sich nicht politisch instrumentalisieren lassen. Lesern mit einem islamischen Hintergrund rate ich deshalb von der Lektüre ab. Das muss man sich nicht antun.

Subjektive Bewertung:
Insgesamt 3 Sterne (von max. 5)  -  4 für die Sprache und 2 für die seltsamen inhaltlichen Auswüchse.


Anmerkung: Die Qualität der Übersetzung kann ich nicht beurteilen, da ich den Roman im amerikanischen Original gelesen habe.

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Bildquelle: Amazon.de / Hoffmann und Campe

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