Mittwoch, 10. April 2013

Rezension – 'Burning Man' von Alan Russell



 

Genre:
Thriller.

Inhalt:
Nachdem LAPD-Detective Michael Gideon und sein Polizeihund Sirius bei der Festnahme eines Serienkillers schwere Verbrennungen erlitten haben, erhalten beide eine neue Chance: sie werden nach ihrer Genesung vom Polizeichef einer neu gegründeten ‚Abteilung für besondere Fälle’ zugeordnet. Dort werden sie sogleich mit zwei schwierigen Aufgaben konfrontiert. Ein Neugeborenes wurde in einer Kiste abgelegt und dem Tod preisgegeben und ein Schüler der Beverly Hills Highschool wurde ermordet und gekreuzigt. Gideon wird bei seinen Ermittlungen immer wieder von nächtlichen Flashbacks gemartert, in denen er zusammen mit seinem Hund in den Flammen umkommt. Seine posttraumatischen Störungen bringen Gideon an seine Belastungsgrenzen. Er kämpft gegen seine inneren Dämonen an und wird mit Gegnern konfrontiert, die das Werk der Flammen an ihm vollenden wollen.

Perspektive:
Personale Perspektive des Protagonisten.

Erzählzeit:
Präteritum.

Setting:
Großraum Los Angeles. Die Buschfeuer, die während der heißen Santa-Ana-Winde regelmäßig im LA County toben, werden geschickt in den Plot eingewoben. Sie bieten die perfekte Droh-Kulisse für ein ohnehin schon an PTSD leidendes Brandopfer.

Struktur und Spannungsbogen:
Ausgehend von den auslösenden Ereignissen (Auffinden der Getöteten) entspinnt sich eine typische Whodunit-Story. Ungewöhnlich und stark spannungsunterstützend ist die psychische Situation des Protagonisten, die die objektiv beobachtbaren Ereignisse subjektiv verstärkt. Defizite hat der Plot im Bereich der Täterhandlung. Abgesehen von einer Szene, die mit den beiden Fällen nichts zu tun hat, bleiben die Taten selbst und die möglichen Aktivitäten der Täter von der Handlung ausgespart. Trotz der durchgehenden personalen Perspektive des Protagonisten, hätte man mehr Action in den Plot integrieren können. Die Suche nach den Tätern wird so zur Begleitmusik für einen Protagonisten, der sich (psychisch) vor allem selbst im Weg steht. Dass die Story dennoch spannend ist, ist vor allem dem fassettenreichen Hauptakteur zu verdanken, mit dem sich der Leser gut identifizieren kann. Sein tierischer Partner, zu dem er ein ausgesprochen liebevolles Verhältnis hat, unterstützt das hohe Empathiepotenzial.
Schwächen hat der Plot auf den ersten 15% (Kindle-Version). Die Story ist ein Langsamstarter. Die Schilderung des Tathergangs selbst hätte dem Anfang gut getan, auch wenn man dafür die personale Perspektive des Protagonisten zeitweise hätte verlassen müssen.

Charaktere:
Der Protagonist wird charakterlich tief ausgeleuchtet. Seine inneren Probleme tragen die Story. Damit korrespondiert die durchgehende personale Perspektive. Ein Ich-Erzähler hätte das Identifikationspotenzial ggf. noch weiter befördert.
Alle weiteren Figuren dienen nur dazu, den Protagonisten in Szene zu setzen. Sie sind entsprechend flach angelegt.

Sprache/Duktus:
Die sprachlichen Fähigkeiten des Autors sind im Hinblick auf das Genre deutlich überdurchschnittlich. Insbesondere die Dialoge sind hervorragend umgesetzt und lassen die ein oder andere inhaltliche Länge vergessen.

Fazit:
Burning Man’ ist ein spannender (Psycho-)Thriller, der mit einem interessanten Protagonisten und sprachlicher Finesse zu überzeugen weiß. Schwächen weist der Text hinsichlich der Actionausbeute auf. Hier wurden Chancen vergeben.

Subjektive Bewertung:
3 Sterne (von max. 5).

Nice to know:
Für die weniger US-afinen Leser sei darauf hingewiesen, dass der Titel ‚Burning Man’ nicht nur ein Hinweis auf die Verbrennungen des Protagonisten ist, sondern auch eine sehr beliebte Veranstaltung, in der einmal im Jahr eine große Holzfigur in der Wüste Nevadas verbrannt wird. Verbunden wird das Ganze mit einer Art Kunst-Happening, das von ca. 50.000 Menschen besucht wird. Ursprgl. fand ‚Burning Man’ an einem Strand in Kalifornien statt.



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Bildquelle: Amazon.de / Thomas & Mercer

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