Donnerstag, 18. April 2013

Rezension – 'The Company You Keep' von und mit Robert Redford




Das Bild bezieht sich auf das dem Film zu Grunde liegende Buch von Neil Gordon.

Genre:
Polit-Thriller.

Inhalt:
Jim Grant ist ein ehemaliges Mitglied der linksradikalen militanten Gruppe Weather Underground Organization (WUO), die in den 70ern für zahlreiche Bombenattentate in den USA verantwortlich war. Er ist seit 30 Jahren untergetaucht und hat sich ein neues Leben als Anwalt und Familienvater aufgebaut. Da seine Frau gestorben ist, zieht er seine Tochter alleine auf.

Als eine ehemalige Mitstreiterin gefasst wird, wird Grants wahre Identität enthüllt. Er lässt seine Tochter bei seinem Bruder zurück und flieht vor dem FBI, um seine Unschuld an der ihm zur Last gelegten Ermordung eines Polizisten zu beweisen. Mit Hilfe alter Kontakte macht sich Grant auf die Suche nach Mimi, seiner ehemaligen Geliebten, die ebenfalls Mitglied der WUO war und die bezeugen könnte, dass er unschuldig ist. Gleichzeitig heftet sich der Reporter Ben Shepard an Grants Fersen, der ebenfalls den Verdacht hat, dass der ehemalige Linksaktivist unschuldig sein könnte. Wird Mimi sich letztendlich den Behörden stellen und ihre Freiheit aufgeben, um ihren Mitstreiter und Freund vor der Strafverfolgung zu retten und was könnte sie dazu bewegen?

Regie:
Robert Redford.

Schauspieler/Charaktere:
Der Film ist bis in die Nebenrollen hinein hochkarätig besetzt: Robert Redford (Protagonist), Shia LaBeouf, Julie Christie, Susan Sarandon, Nick Nolte, Sam Elliot.
Der Film wird von Redfords und LaBeoufs Figuren getragen. Die übrigen Charaktere bleiben relativ blass und dienen eher dazu, der Handlung (Suche nach Mimi Lurie) neue Richtungen zu geben und den Blick darauf zu richten, wie heute ein normales Leben für Ex-Radikale aussehen könnte.

Fazit:
Filme, die die Historie und Politik der USA aufarbeiten, stehen derzeit hoch im Kurs in Hollywood. Während jeder Amerikaner mit Lincoln & Co bestens vertraut ist, ist die Tatsache, dass es in den 70ern auch in den USA eine außerparlamentarische Opposition gab, die ähnliche politische Ziele verfolgte wie Baader Meinhof / RAF in Deutschland, im geschichtlichen Bewusstsein weitgehend verblasst. Redford versucht die Frage, weshalb inmitten der Hippie-Glückseligkeit Bomben gezündet wurden und was aus den Akteuren und ihren Überzeugungen geworden sein könnte, aufzuarbeiten, indem er den historischen Kontext in einen Thriller-Plot kleidet.
Robert Redford gelingt es tatsächlich durch einen empathischen Protagonisten und einen familiären Sub-Plot die aktuellen menschlichen Probleme der Figuren den Beweggründen der 70er gegenüberzustellen. Die politische Eindringtiefe ist allerdings hollywoodesk oberflächlich. Welche konkreten Ziele die WUO abgesehen von einer gesellschaftlichen Revolution und Opposition zum Vietnamkrieg verfolgte, bleibt offen, auch die Gründe für das Abdriften einiger Weniger in die Gewalt, während um sie herum die pazifistische Hippiebewegung den Ton angab, wird nicht wirklich beantwortet. Das mag der Vermarktbarkeit des Films in der weitgehend apolitischen Mehrheit der US-Bevölkerung geschuldet sein, es ist jedoch auch ein typisches Stilmitel von Redford. Er arbeitet gesellschaftliche Phänomene auf, indem er Fragen stellt, nicht indem er Stellung bezieht. Das das gelingt ihm auch in diesem Film, der im Übrigen durch die Flucht- und Suchemotive, die mich an Kimble erinnert haben, durchaus spannend ist. The Company You Keep ist kein großer Wurf wie All the President's Men, aber er ist unterhaltsam und er fokussiert Fragestellungen, die für uns in Europa (RAF, Rote Zellen, ETA etc.) ohnehin historisch bedeutsam sind.
Kritik lässt sich allerdings daran üben, dass Redford aus dem fantastischen Cast des Films einfach nicht genug gemacht hat. Hier wurden Chancen vergeben.

Subjektive Bewertung:
3-4 Sterne (von max. 5).

IMBD:
Aktuell 6.2 (von 10), ein recht mäßiger Wert.

Anm.: Die deutsche Synchro kann ich nicht bewerten, da ich den Film in den USA gesehen habe.


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Bildquelle: Amazon.de / Penguin

1 Kommentar:

  1. Für mich war der Film über weite Strecken einfach zu langatmig, und die politischen Themen nicht genug ausgearbeitet (mehr dazu hier: http://www.leselink.de/filme/thriller/the-company-you-keep.html ). Toll dagegen war der Cast, der bis in die kleinste Nebenrolle mit tollen Schauspielern besetzt war.

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